Wandern mit Hund auf der Alm: So verhältst du dich bei Weidevieh
Begegnungen mit Weidevieh gehören auf vielen Almwanderungen dazu. Mit Hund gelten dabei ein paar einfache Regeln – und eine wichtige Ausnahme für den Ernstfall.
Hinweisschild am Zugang zur Alm: Abstand halten und Hunde anleinen.
Eine kurze Herbsttour zu den Schwarzachen-Almen
Heute waren wir etwas später dran als gewöhnlich. Gegen 12 Uhr starteten wir am Holzknechtmuseum und machten uns ganz gemütlich auf den Weg zu den Schwarzachen-Almen. Nach ungefähr einer Stunde erreicht man die Almen – für einen späten Start also ein idealer, kurzer Wanderausflug.
Wir hatten uns vorher informiert: Die Strecke ist überschaubar, das Wetter sollte stabil bleiben und die Almen waren noch geöffnet. Gerade im Herbst lohnt sich dieser kurze Blick vorab. Viele Almen beenden je nach Lage und Witterung zwischen Ende September und Mitte Oktober ihre Saison, und mit dem traditionellen Almabtrieb kehren die Tiere ins Tal zurück. Wer sich vorher informiert, steht am Ziel nicht vor verschlossenen Türen.
Etwa zehn Minuten vor den Schwarzachen-Almen erreichten wir ein Tiergatter. Direkt daneben hing das Hinweisschild: „Achtung Weidevieh!“ Spätestens ab diesem Moment sollte man mit seiner Aufmerksamkeit tatsächlich zwei Gänge hochschalten.
Denn hinter einem solchen Gatter beginnt kein Tierpark und kein eingezäuntes Ausflugsziel. Hier bewegen wir uns durch den Lebensraum frei weidender Tiere. Wer mit Hund unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur den Weg vor sich, sondern auch die Umgebung aufmerksam im Blick behalten.
Am Tiergatter beginnt der Weidebereich – ab hier bleibt Sammy angeleint.
Die letzten zehn Minuten zur Alm
Vom Tiergatter waren es nur noch ungefähr zehn Minuten bis zu den Schwarzachen-Almen. Ab hier führten wir Sammy an der Leine und achteten deutlich stärker auf unsere Umgebung. Hinter einer Kurve, zwischen Bäumen oder etwas abseits des Weges können jederzeit Weidetiere stehen.
In den meisten Fällen bleiben die Tiere ruhig, wenn auch wir ruhig bleiben und ausreichend Abstand halten. Besonders aufmerksam sollte man bei Muttertieren mit ihren Kälbern sein. Sie besitzen einen ausgeprägten Schutzinstinkt und können einen Hund als Bedrohung wahrnehmen.
Wenn Kühe den Weg kreuzen
Stehen Weidetiere auf oder unmittelbar neben dem Wanderweg, sollte man nicht versuchen, sich zwischen ihnen hindurchzudrängen. Besser ist es, mit möglichst großem Abstand vorbeizugehen, einen anderen Weg zu wählen oder notfalls umzukehren.
Den Hund führt man kurz und kontrolliert an der Leine. Kühe sollten weder gefüttert noch gestreichelt werden – auch dann nicht, wenn sie ruhig oder neugierig wirken. Hektische Bewegungen, lautes Rufen und Herumrennen sind ebenfalls keine gute Idee.
Wird ein Tier aufmerksam, fixiert Hund und Mensch oder kommt näher, heißt es: ruhig bleiben, Distanz vergrößern und sich kontrolliert aus dem Bereich zurückziehen.
Was gilt im Ernstfall?
Kommt es tatsächlich zu einer bedrohlichen Situation oder einem Angriff, sollte man den Hund von der Leine lassen. Das klingt zunächst falsch und fällt verständlicherweise schwer. Ein freier Hund ist jedoch beweglicher, kann ausweichen und einen eigenen Fluchtweg suchen. Gleichzeitig kann sich der Mensch aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich entfernen.
Die Leine festzuhalten und den Hund schützen zu wollen, kann dazu führen, dass Mensch und Hund gemeinsam zum Ziel des Weidetieres werden. Deshalb gilt im Ernstfall: Leine loslassen und sich selbst zügig in Sicherheit bringen.
Da sind sie schon.
Mein persönlicher Umgang mit Weidevieh
Sobald ich eine Weide betrete, achte ich nicht nur darauf, ob ich bereits Kühe sehe. Ich schaue auch auf den Weg: Frische Kuhfladen sind für mich eines der deutlichsten Signale dafür, dass die Tiere ganz in der Nähe sein können – selbst wenn sie zwischen Bäumen, hinter einer Kurve oder in einer Senke noch nicht zu erkennen sind.
Sobald ich Kühe entdecke, schaue ich mir die Umgebung an: Wo können wir mit genügend Abstand vorbeigehen, und wohin können wir uns notfalls ruhig zurückziehen? Dabei bleibe ich ruhig, bin aber klar und aufmerksam. Das funktioniert natürlich nur, wenn der Hund ansprechbar ist und zuverlässig hört.
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer bedrohlichen Situation, heißt es, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Auch wenn es schwerfällt: Bei einem tatsächlichen Angriff lasse ich die Leine los. Im Normalfall kann der Hund den Weidetieren dann besser ausweichen und seinen eigenen Fluchtkorridor suchen.
Die wichtigste Regel bleibt für mich aber, eine solche Situation möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen: Abstand halten, aufmerksam bleiben und lieber einmal zu früh ausweichen als zu spät reagieren.
Noch einmal offiziell nachlesen
Wer sich vor der nächsten Almwanderung ausführlicher informieren möchte, findet bei „Sichere Almen“ die offiziellen zehn Regeln für den richtigen Umgang mit Weidevieh.